Das Sirius-Rätsel der BAA - Jänner 2021

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Sirius ist der hellste Stern am Nachthimmel und in den Wintermonaten gut zu sehen. Das "Sirius-Rätsel der Dogon" machte in den 70er-Jahren Schlagzeilen, weitaus spannender ist aber das "Sirius-Rätsel der Burgenländischen Amateurastronomen".

Der hellste Stern am Himmel

Sirius ist der Hauptstern im Sternbild Großer Hund (Alpha Canis Majoris) und der hellste Stern am Nachthimmel. Mit einer scheinbaren Helligkeit von -1,46 mag ist er beinahe doppelt so hell wie der zweithellste Stern Canopus im Schiffskiel. Übertroffen wird seine Helligkeit nur durch Sonne, Mond und die Planeten Merkur, Venus, Mars und Jupiter.

Sirius ist ein Hauptreihenstern mit der 2,1-fachen Masse und dem 1,7-fachen Durchmesser der Sonne. Seine Oberflächentemperatur beträgt 9700 K, seine Farbe ist damit bläulich-weiß.

Mit einer Entfernung von 8,6 Lichtjahren gehört Sirius zur nächsten Umgebung der Sonne. Näher und mit freiem Auge sichtbar ist nur das Doppelsternsystem Alpha Centauri mit 4,3 Lichtjahren.

1862 wurde ein zuvor vermuteter Begleiter entdeckt. Sirius B ist ein weißer Zwergstern, der etwa 10.000-mal lichtschwächer als der Hauptstern Sirius A ist. Sirius B kann mit besseren Amateurteleskopen beobachtet werden - näheres folgt in einem zukünftigen Artikel.

Im Buch "Das Sirius Rätsel" aus den 1970er-Jahren wird behauptet, dass der westafrikanische Stamm der Dogon von der Existenz dieses Sirius-Begleiters wusste. Eine sehr interessante Analyse dazu findet sich auf der Webseite der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften):
https://www.gwup.org/infos/themen/91-prae-astronautik/339-das-sirius-raetsel

Das Sirius-Rätsel der Burgenländischen Amateurastronomen

Vor einigen Jahren stellte unser Clubleiter Dr. Franz Gruber fest, dass der Stern Sirius zum Jahreswechsel, also um 0.00 Uhr des 1. Jänner, exakt im Süden, also im Meridian steht. Die folgende Grafik zeigt dies anschaulich:

Kulmination des Sirius
Sternenhimmel am 1.1.2021, 0.00 Uhr, Eisenstadt

Die Stellung des Sternenhimmels für einen bestimmten Ort und Zeitpunkt wird über die Sternzeit definiert.
Vereinfacht ausgedrückt, ist die Orts-Sternzeit gleich jener Rektaszension, die gerade durch den Meridian geht.
Die Rektaszension ist eine Koordinate um die Positionen von Gestirnen anzugeben. In der Grafik ist sie als Skala entlang des Himmelsäquators eingetragen.

Am 1.1.2021 um 0.00 Uhr ist in Eisenstadt, geogr. Länge 16°51', die Orts-Sternzeit 6.43 Uhr. Die Rektaszension des Sirius beträgt 6.46 h. Damit dauert es noch 3 Minuten bis Sirius für Eisenstadt durch den Meridian geht.

Für andere Orte gelten andere Zeiten: In Innsbruck, geogr. Länge 11° 24', beträgt die Ortssternzeit 6.23 Uhr. Dort muss man noch 23 Minuten auf die Kulmination des Sirius warten.

 

Veränderung des Meridiandurchgangs im Laufe der Jahrhunderte

Durch die Eigenbewegung des Sirius, die Bewegung der Erdachse (Präzession) sowie der Schalttage im Kalender, kommt es im Laufe der Jahrhunderte zu einer Verschiebung des Meridiandurchgangs von Sirius.

Die folgende Grafik zeigt diese Veränderung im Zeitraum der Jahre 1600 bis 2200 (horizontale Achse). In der vertikalen Achse ist die Rektaszension bzw. Sternzeit angegeben.

Die Orts-Sternzeit ist für den 1.Jänner um 0.00 Ortszeit, für alle durch 4 teilbahren Jahre (2000, 2004, 2008, usw.) angegeben.
Die "Zacken" entstehen durch den Ausfall der Schaltjahre beim Jahrhundertwechsel.

Kulmination des Sirius

Die Grafik zeigt, dass Sirius Ende des 19. Jahrhunderts in Greenwich zum Jahreswechsel im Meridian stand,
Es handelt sich um einen außergewöhnlichen Zufall, dass Sirius bei uns in Ostösterreich zum Jahreswechsel, Anfang des 21. Jahrhunderts, durch den Meridian geht.

Vielleicht sollten wir nach den Prosit-Wünschen und dem Donauwalzer einen Blick nach Süden zum hellsten Stern des Himmels richten.

Sirius am Winterhimmel

Sirius ist Teil des Wintersechsecks, das aus den Sternen Sirius (Großer Hund), Rigel (Orion), Aldebaran (Stier), Capella (Fuhrmann), Pollux (Zwilling) und Prokyon (Kleiner Hund) gebildet wird.

Sirius ist dabei der weitaus südlichste Stern. Zur Kulmination erreicht er seine höchste Stellung mit nur 25° über dem Horizont. Durch seine Helligkeit und die Luftunruhe flackert Sirius in allen Farben, das im Fernglas noch beeindruckender aussieht.

Bis etwa Mitte April bleibt Sirius am Abendhimmel zu sehen.

Wintersechseck
Sirius und Wintersechseck, Zeiten für Ost-Österreich: Anfang Jänner um Mitternacht, Anfang Februar gegen 22.00 Uhr, Anfang März gegen 20.00 Uhr.


Aktualisiert am 30.12.2020

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Karl Vlasich