Der Stern von Bethlehem - Dezember 2020

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Kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember 2020 kommt es zu einer seltenen, engen Konjunktion (Begegnung) der Riesenplaneten Jupiter und Saturn.
Noch seltener sind 3-fach-Konjunktionen wie jene, die im Jahr 7 v. Chr. stattgefunden hat. Astronomen interpretieren diese Konjunktion als den "Stern von Betlehem".

Der Stern von Bethlehem in der Bibel

Das Evangelium von Matthäus beschreibt einem "Stern", der die Weisen aus dem Morgenland zum Geburtsort Christi geführt hat:

Als aber Jesus zu Bethlehem ... geboren war, ... da kamen Weise vom Morgenland nach Jerusalem, die sprachen:
"Wo ist der König der Juden, der geboren worden ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen." ...
Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er ... über dem Ort stand, wo das Kindlein war.

(Die Bibel, Elberfelder Übersetzung 1905)

 

Diese Überlieferung hat viele Künstler inspiriert und in den Bildern der Geburt Christi einen hellen Stern oder "Schweifstern" (Komet) dargestellt.

Die Sterndeuter aus dem Morgenland

Die Sterndeuter aus dem Morgenland (Mosaik aus Sant’Apollinare Nuovo in Ravenna, um 565) © José Luiz Bernardes Ribeiro

 

Giotto di Bondone: Anbetung der Könige, 1302

Giotto di Bondone: Anbetung der Könige, 1302, Public domain, via Wikimedia Commons


Theorien zum Stern von bethlehem

Astronomisch gesehen könnten mehrere Objekte in Frage kommen:

Es könnte sich um einen hellen Kometen gehandelt haben. Dieser müsste aber über Monate - während der Reise der Weisen aus Babylonien nach Jerusalem - als helles Objekt am Himmel gestanden haben.
Nach einer anderen Theorie könnte es eine Nova oder Supernova, also eine Sternexplosion, gewesen sein. Diese Objekte erscheinen als plötzlich aufleuchtende Sterne und können über viele Wochen extrem hell strahlen.

Die Theorie einer Planetenkonjunktion, also einer Begegnung zweier Planeten am Himmel, hat zuerst Johannes Kepler angeführt. Genauere Berechnungen ab den 1960er-Jahren zeigten im Zeitraum der Geburt Christi mehrere Möglichkeiten:

Konjunktionen von Venus und Jupiter 3 v. Chr. sowie 2 v. Chr. und die 3-fach-Konjunktion von Jupiter und Saturn 7 v. Chr.

Die "dreifache große Konjunktion" von Jupiter und Saturn

Durch die unterschiedlichenUmlaufzeiten von Jupiter (11,9 Jahre) und Saturn (29,5 Jahre) um die Sonne, kommt es alle 19,9 Jahre zu einer Konjunktion der beiden Planeten, die auch "Große Konjunktion" genannt wird. Wegen der Helligkeiten der beiden Planeten, vor allem des Jupiter, ist das ein auffälliges Himmelsschauspiel.

Liegt der Zeitpunkt der Opposition der beiden Planeten innerhalb weniger Tage, kommt es zu einer dreifachen großen Konjunktion. Während der schnellere Jupiter den Saturn überholt, ist diese Bewegung von der innen laufenden Erde als Schleife zu beobachten. Innerhalb weniger Monate kommt es dabei drei Mal zwischen Jupiter und Saturn zu engen Begegnungen am Himmel.

Im Jahr 7 v. Chr. kam es zu einer solchen 3-fach-Konjunktion: Am Morgenhimmel Ende Mai, am Abendhimmel Ende September und Anfang Dezember begegneten sich die beiden Riesenplaneten. Der Abstand zueinander betrug ca. 1°, das sind 2 Vollmonddurchmesser.

Die Begegnung der beiden Planeten fand im Sternbild Fische statt, das die Weisen (Magier, Sterndeuter) aus Babylon als besonderes Zeichen sahen:

Der Planet Jupiter stand für den Gott der Stadt Babylon, Saturn repräsentierte den Gott der Juden und das Sternbild Fische symbolisierte das Land Palästina am Himmel. Es war ihnen bekannt, dass König Herodes alt war. So sahen die Sterndeuter in dieser Erscheinung die Geburt eines neuen Königs der Juden und machten sich auf den Weg nach Jerusalem.

 

Der "Stern von bethlehem", 7 v. Chr, Himmelsanblick Ende Mai (morgens) und Ende September (abends). Standort: Jerusalem
Stern von Betlehem

 

Der "Stern von bethlehem", 7 v. Chr, Himmelsanblick Anfang Dezember (abends). Standort: Jerusalem
Der Stern von Betlehem

Die enge Konjunktion von Jupiter und Saturn am 21. Dezember 2020

3-fach-Konjunktionen sind selten und kommen - mit Ausnahmen - alle 300 Jahre vor. Die letzten 3-fach-Konjunktionen fanden 1940 und 1980 statt, die kommende erst im Jahr 2238 !

Wenige Tage vor Weihnachten kann aber eine besonders enge Begegnung von Jupiter und Saturn beobachtet werden:
In den frühen Abendstunden des 21. Dezember kommen sich die beiden Planeten auf 6 Bogenminuten (6') nahe - das entspricht einem Fünftel des Monddurchmessers.

Nähere Details zur Beobachtung siehe BAA-Artikel: "Enge Konjunktion von Jupiter und Saturn"


Aktualisiert am 04.12.2020

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Karl Vlasich