Besonderheiten in Sternentstehungsgebieten von Dr. Thomas Schröfl

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Franz Gruber hat mich gebeten gleichsam als Zugabe zu meinem Vortrag bei der BAA über
die Sternentstehung seine soeben fertiggestellte Aufnahme von LBN 552 unter den
Aspekten meines Vortrages kurz zu kommentieren.



Vorweg muß ich Franz vor allem einmal dazu gratulieren, daß er anscheinend erst der 2. Amateurastronom ist, der LBN 552 fotografiert hat.

Laut Internet ist der Erste Thomas V. Davis aus Inkom/Idaho/USA und der hat seine Aufnahme immerhin mit einem aus Österreich stammenden 12-Zoll ASA-Astrographen gemacht.
http://www.tvdavisastropics.com/index.htm
Nicht nur LBN 552 ist  in der Aufnahme von Dr. Franz Gruber sondern auch der
Dunkelnebel LDN 1228. LBN und LDN sind zwei von der Astronomin Beverly T. Lynds (Steward Observatory, University of Arizona) erstellte Kataloge. Sie hat dazu die blauen und roten Platten des 48-inch Palomar Sky Survey ausgewertet und daraus zunächst 1962 den LDN (Lynds Catalogue of Dark Nebulae) mit 1802 Objekten und 1965 den LBN (Lynds Catalogue of Bright Nebulae) mit 1125 Objekten jeweils im ApJ (Astrophysical Journal) veröffentlicht. Der LBN enthält Emissions- und Reflexions-nebel, während der LDN ausschließlich Dunkelnebel enthält.
Ein verstecktes astronomisches Kleinod ist in diesem Bild auch enthalten, nämlich der Reflexionsnebel Cohen 129, das winzige gelb-orange Fleckchen rechts oberhalb des rechts der Mitte gelegenen hellen blauen Sterns. Sieht man sich diesen Nebel näher an-
http://astrim.free.fr/cohen_129.htm - so ist klar erkennbar, daß es sich um eine kleine Region einer großen Staubwolke handelt, die von einem in sie eingebetteten Stern beleuchtet wird (Reflexionsnebel).
Das Bild zeigt ein gutes Dutzend hellerer blauer und weißer Sterne, also vom Spektraltyp O und B. Solche Sterne haben in der Regel einen recht starken Sternwind, wesentlich stärker als der Wind unserer Sonne. Trifft dieser Sternenwind auf interstellares Medium (IMS = Wasserstoff- bzw. Staubwolken), so entstehen Schockfronten, und dort, wo das IMS dichter ist, können sich Staubsäulen formen – dichtere Regionen können dem Sternenwind länger widerstehen als dünnere – ähnlich den berühmt gewordenen „Pillars of Creation“ im Adlernebel, aufgenommen vom Hubble Space Telescope.
Sehr gut ist auf der Aufnahme auch zu erkennen wie die Staubwolken das Licht der dahinter liegenden Sterne abschwächen bzw. - erkennbar an der deutlich geringeren Sterndichte – schwächere Sterne überhaupt unsichtbar machen. Es wäre interessant zu Vergleichszwecken eine Aufnahme im nahen Infrarot oberhalb von 700nm anzufertigen.
Interstellarer Staub war übrigens auch eines von vielen Forschungsgebieten des 2008 verstorbenen aus Österreich stammenden und an der Cornell University (in Ithaca NY/USA) lehrenden Astrophysikers Edwin E. Salpeter, ein international anerkannter aber in seiner Heimat fast unbekannter Wissenschafter.

Dr. Thomas Schröfl
WAA


Aktualisiert am 18.09.2010

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Dr. Thomas Schröfl und Dr. Franz Gruber