Namibia 2016/1 Es gibt immer was zu tun! Teil I

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Hakos/Namibia,     Lat. 23°41´21´´ S    Long. 16°48´11´´ E

27.04. bis 15.05.2016

Instrumente:

Deltagraph f3.3/1000mm, William FLT98 teilw. mit 0.8x Reducer/Flattener, C11 Edge HD teilw. mit Lepus Reducer 0.62x, Nikon Objektive 180mm/f2.8 ED, 60mm/f2.8 Micro, Zoom 12-24mm/f4,

MC-modif. Canon 760D, QHY8Pro, Moravian G2-8300

 

Als wir in Wien aufbrachen, wußten wir noch nicht, daß unser erster Aufenthalt auf Hakos in diesem Jahr unter dem Motto des zum Ohrwurm gewordenen Slogans des Baumarktes Hornbach stehen würde.

„Dabba da ja Jippie Jippie Jeah, es gibt immer was zu tun!“

Aber alles der Reihe nach:

 

27.4.:

Am 27.4. ist es zum elften Mal soweit. Wieder geht es nach Namibia auf die Farm Hakos und wieder, wie schon so oft, gemeinsam mit Christoph Niederhametner, Monika Klapka und Wolfgang Weiser. Während wir in den letzten Jahren mit South African über Johannesburg geflogen sind, probieren wir erstmals die neue direkte Verbindung nach Windhoek mit Condor von Frankfurt aus, mit einem Zubringerflug der AUA nach Frankfurt. Die Ankündigung eines Streiks des Bodenpersonals in Deutschland ausgerechnet am Tag unseres Abfluges bringt kurzfristig eine Verunsicherung. Es stellt sich aber heraus, daß beide Flüge pünktlich stattfinden, denn Streikende in Frankfurt ist um 15:00 Uhr und wir fliegen erst um 17:10 in Wien weg. Condor, eine zum Thomas Cook Konzern gehörende Charterlinie, fliegt mit einer Boeing 767, vergleichbar mit dem Airbus A330 den SA bzw. Air Namibia einsetzen. Wir haben die Premium Economy Class gebucht, etwas teurer als Economy, dafür hat man mehr Beinfreiheit, angenehm bei einem Nachtflug, bessere Verpflegung, gratis Getränke und gratis Entertainmentprogramm. Überdies darf man als „Privilegierter“ vor den Economy-Passagieren einsteigen und sitzt unmittelbar hinter der Business Class, also ist man nach der Landung auch schnell wieder aus dem Flugzeug, in Windhoek ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man zu den Ersten bei der Paßkontrolle gehört.

 

28.4.;

Knapp vor 07:00 landen wir bei strahlend blauem Himmel und angenehmen 13° in Windhoek, Trotz eines kurzen Einkaufstopps in der Stadt sind wir bald nach 10:00 auf der Farm, wo wir ausgiebig frühstücken, bevor wir die Sternwarten, so vor allem Christophs neu Erbaute besichtigen. Noch fehlen die Verblechung der Rolldächer und die Säulenadapter. Beides soll am Freitag von Waltraud aus Windhoek gebracht werden. Fast 300kg Fracht an Ausrüstung für die Sternwarte sind wohlbehalten eingetroffen.

 

re. Christophs Sternwarte mit 2 Beobachtungsräumen noch ohne Dachverblechung

li. in Blech: der re. Raum ist die WAA-Sternwarte u. li. ein weiterer Beobachtungsraum

 

Die WAA-Sternwarte bedarf einer ausgiebigen Reinigung, denn der Wind und die unmittelbar daneben durchgeführten Bauarbeiten an Christophs Sternwarte haben für einiges an Staub und feinem Sand gesorgt.

Im Laufe des Tages zieht immer dichter werdende Bewölkung auf und während der Jause setzt ein Gewitter mit starkem Regen ein. Mitten im Gewitter trifft Wolfgang ein, begleitet von 7 Ungarn der Fa. Lacerta, Kunden von Teleskop Austria sicher nicht ganz unbekannt. Ein schöner Regenbogen erhebt sich direkt über der Dr. Hans Vehrenberg (Haus)Sternwarte und wir erleben den bisher stärksten Regen auf Hakos sowie zahlreiche Blitze, die bis in den Abend hinein immer wieder heftig aufleuchten. Nach dem Abendessen plaudern wir noch kurz bei einem Bier, aber dann verschwinden alle auf ihren Zimmern, denn nur 3-4 Stunden schlechter Schlaf in der vergangenen Nacht machen sich bemerkbar.

 

Donner und Blitz zur Kaffejause und ein Regenbogen über der Dr. Hans Vehrenberg Sternwarte

 

Sonnenuntergang mit Gewitterwolken über den Hakosbergen

29.4.:

Nach dem Frühstück, nun ausgeschlafen, beginnen wir mit den Arbeiten auf den Sternwarten. Bei Christoph ist noch viel zu tun. Heute sollen die Dachbleche kommen. Christoph montiert zunächst die noch fehlende Türe, ein nicht ganz leichtes Unterfangen bei der Qualität namibischen Baumaterials. Zunächst passen die Scharniere nicht und die wohl nicht ganz normgemäße Tür muß an das mitgebrachte Normschloß erst einmal angepaßt werden. Ein wesentlich gravierenderes Problem stellen die zu kurz geratenen Säulen dar. Wie das in Ordnung gebracht werden soll bleibt vorerst ein Rätsel.

In der WAA-Sternwarte beginne ich zunächst mit der Reinigung, Staubsaugen und feucht Aufwischen. Ich gebe zu, es ist nicht sehr tierliebend, aber was sollte ich sonst tun als die Unzahl an Weberknechten gleich mit aufzusaugen. Immerhin sind sie bis in den Deltagraphen vorgedrungen.

Nach der Reinigung kommt die Schutzhülle von den Geräten. Dann montiere ich die in Wien überarbeiteten Spinnenarme an den Korrektor und schraube diesen wieder an seinen Platz. Beim Deltagraph steht noch der Ausbau der Spiegelzelle an, um den bei Teleskopschwenks verrutschenden Spiegel zu fixieren. Es sind zwar nur 3-4mm, aber bei der schnellen Öffnung von f3.3 intolerabel. Eine perfekte Kollimation ist so nicht möglich.

Der Abend beginnt wie immer am ersten Tag in Hakos. Nach dem Abendessen geht es hinaus, die Augen kurz dunkeladaptieren und ein Blick zu überwältigenden Milchstraße.

Dann starte ich in der Sternwarte die Montierung. Nach einem kurzen Problem mit der Home Position – irgendwie hat die Steuerung vergessen, daß die Teleskope wegen der Parallelmontage um 90° zur Normalposition verdreht sind – beginne ich mit der modifizierten Canon 760D und dem William FTL98+Reducer einige Aufnahmen von Eta Carinae. Bereits 30 sec bei f5 und ISO 1600 ergeben prachtvolle Bilder. Gleich daneben liegt der schöner OC NGC 3532, den ich ebenfalls aufnehme. Inzwischen kommt Christoph zu mir auf die Sternwarte und setzt seine Canon mit einem f2.8/70-200mm huckepack auf den Refraktor.

Nächstes Objekt ist Omega Centauri. Da hier kein Ha im Bild ist probiere ich die Aufnahmen mit dem OWB-Filter (Original White Balance), das aus einer modifizierten DSLR wieder eine Camera mit üblicher spektraler Empfindlichkeit und Weißabgleich macht. Das Ergebnis gibt mir recht. Christoph fotografiert dann mit 70mm Brennweite und Vollformat das Kreuz des Südens mit dem Kohlensack, wofür die Brennweite des Refraktors zu lange ist.

Zum Abschluß wenden wir uns der Antares-Region zu, nachdem der Scorpion nun schon hoch am Himmel steht. Gegen 00:30 beenden wir bei aufgehendem Mond unseren ersten Abend auf Hakos.

 

30.4.:

Der Samstag wird für Christoph zum intensiven Arbeitstag; in Anlehnung an einen bekannten Film „Christoph auf dem heißen Blechdach“, denn die gestern angelieferten Dachbleche wollen auch aufgelegt und verschraubt werden. Bei den Tagestemperaturen in der prallen Sonne auf stark reflektierendem Blech hockend, ist das wahrlich kein Vergnügen. Das zweite Tagewerk ist die Verlängerung der einen Teleskopsäule, indem in das dicke Basisrohr ein dünneres zweites einbetoniert wird, um die gewünschte Höhe für die Montierung zu erreichen. Im 2. Beobachtungsraum fehlt noch die Dachverblechung, aber was schwerer ins Gewicht fällt, ist die zu kurze Säule. Zur Verlängerung muß noch ein zusätzliches Rohr in Windhoek besorgt, auf das bestehende aufgeschweißt und mit Beton gefüllt werden. Überdies fehlt noch eine passende Adapterplatte zur Aufnahme der ASA DDM 85 Montierung, die dann einen 16-Zoll Astrographen ebenfalls von ASA tragen soll. Das wird sich aber erst bei unserem nächsten Besuch Ende August realisieren lassen.

 

„Christoph auf dem heißen Blechdach“

 

Die Säulenverlängerung wird einbetoniert

 

Abends arbeiten wir wieder gemeinsam in der WAA-Sternwarte, ich mit der modif. EOS 760D am FLT98 und Christoph huckepack mit Fotoobjektiven.

 

1.5.:

Christoph macht dem Tag der Arbeit alle Ehre und ist intensiv damit befaßt die CGEPro auf die Säule zu bringen, nachdem über Nacht der Beton soweit ausgehärtet ist.

 

Der ASA Astrograph mit der SBIG STL 11000M auf der CGEPro

 

Am frühen Nachmittag richte ich meinen Refraktor zur Sonne, versehen mit dem Lacerta Herschelprisma und dem Solar Continuum-Filter. Heute ist die Sonne sehr aktiv. Acht Sonnenfleckengruppen – AR 12533-12540 – sind zu sehen, fast in einer Linie über die gesamte Sonnenscheibe verlaufend. Mit der ASI nehme ich einige Videostreams auf.

 

 

Da Christoph heute damit befaßt ist, sein Teleskop samt Camera zum Laufen zu bringen, fotografiere ich alleine im Huckepack-Modus mit Guiding.

Gleich nach Ende der Dämmerung richte ich die Camera mit dem Nikkor 60mm/f2.8 auf den langsam sich dem Untergang nähernden Orion. Bei dieser Brennweite ist das Sternbild formatfüllend. Mein Ziel ist es die HII-Regionen abzubilden, so insbesondere Barnards Loop.

Dann wechsle ich auf das Nikkor 180mm/f2.8, abgeblendet auf f4 und nehme als erstes Ziel die LMC aufs Korn, die sich mit dieser Brennweite ebenfalls formatfüllend abbilden läßt.

Weiter geht es dann zum Kohlensack. Dabei wechsle ich vom UV/IR-Cut-Clip-Filter zu Gerd Neumanns OWB (Original White Balance), das den neutralen Weißabgleich zur Verfügung stellt. In den nächsten Tagen will ich dann mit dem IR-Filter versuche, wieweit es möglich ist, noch im Staub versteckte Sterne sichtbar zu machen.

Ein weiteres fotografisch schönes Gebiet ist die Antares Region. Ins Bildfeld des 180ers paßt genau der Bereich von Antares bis Mars mit Rho Ophiuchi in der Mitte. Ich fotografiere 2 Serien, einmal mit dem OWB-Filter und einmal mit der vollen Ha-Empfindlichkeit der modif. 760D. Zum Abschluß folgt noch eine Serie mit M 16, 17, 18 und 24 in einem Bild.

 

2.5.:

Nach einer abschließenden Generalreinigung ist Christoph nun auf seiner Sternwarte so einigermaßen eingerichtet. Jetzt haben wir Zeit uns den „Patienten“ Deltagraph vorzunehmen, um das Verrutschen des Spiegels zu beseitigen. Zu diesem Zweck muß man am Tubusrand drei Schrauben lösen, dann läßt sich mit den vereinten Kräften von sechs Händen die streng sitzende Spiegelzelle aus dem Tubus ziehen. Das Wackeln ist schnell beseitigt. Der Spiegel hat seitlich drei Halterungen mit Nylonschrauben, die den Spiegelrand fixieren. Diese ziehen wir soweit an, daß der Spiegel nicht mehr rutschen kann. Gegen das Herauskippen wird der Spiegel von einem mit Korkplättchen unterlegten Ring gehalten, der ebenfalls mit drei Schrauben fixiert ist. Anscheinend ist der Kork durch die hier herrschende trockene Luft etwas dünner geworden, denn alle drei Schrauben lassen sich etwas nachziehen, ohne bereits Druck auf den Spiegel auszuüben. Dann setzen wir die Spiegelzelle wieder im Tubus ein und können nach einer guten halben Stunde verkünden „Operation gelungen und der Patient hat überlebt“.

 

Der Patient: der Hauptspiegel des Deltagraphen in seiner Fassung

 

Ein schwarzes Loch der besonderen Art: der Tubus ohne Spiegelzelle

 

Gleich nach der Dämmerung fotografiere ich, noch mit dem FLT98 und der 760D den Rosettennebel NGC 2237.

Dann gibt es first light für den Deltagraphen mit der QHY8Pro, einer gekühlten Farb-CCD-Camera mit einem Chip im APS-C Format mit 6MP. Objekte der ersten Testaufnahmen sind Eta Carinae und das Running Chicken IC 2944. Der Hauptspiegel ist jetzt zwar fixiert und das Teleskop kollimiert, aber die Sternabbildung läßt erheblich zu wünschen übrig. Mir schwant schon, daß es eine haarige Sache werden wird die Ursachen dafür zu finden und diese dann auch auszumerzen.

 

3.5.

Christoph spielt heute zum zweiten Mal Dachdecker und deckt auch den zweiten Beobachtungsraum mit den Profilblechen ein, denn in der Nacht bläst der Wind unangenehm durch das offene Dach in seine Sternwarte.

 

Das Werk nähert sich dem Ende und Christoph der Dackdeckermeisterprüfung

 

Am frühen Nachmittag besichtige ich zunächst die 7 neu gebauten Teleskopräume am Südrand des IAS-Areals, die für robotische Teleskope vermietet werden sollen. Auch hier fehlt es noch an der Verblechung der Rolldächer. Doch kann das gesamte Projekt erst Gestalt annehmen, wenn eine ausreichend breite und stabile Internetverbindung zur Verfügung steht, was demnächst der Fall sein soll.

 

 

Dann gehe ich weiter zu Walters Grab. Dieses ist nun mit Steinen eingefaßt, mit einer Platte mit Inschrift und mit einem Kreuz versehen. Unter dem Baum, der etwas oberhalb des Grabes steht, wurde eine halbrunde Bank aus Steinen gemauert. Inspiriert von Theodor Csokor´s Roman 3. November 1918 habe ich ein Säckchen mit Erde aus Österreich mitgebracht und zwischen zwei Steinen eingeklemmt aufs Grab gelegt. Die Stelle ist ein idyllischer Platz mit Blick vom Gamsberg über die ferne Namib Wüste, Walters Point und die Hakosberge bis zur Farm.

 

Walters Grab mit Blick auf seine geliebten Hakosberge;

rechts davon die Stehle mit dem Kleinplaneten (157015) WalterStraube

 

 

Am Rückweg mache ich auf der Sternwarte Halt und werfe wieder einen Blick auf die Sonne. Die Fleckengruppen sind weiter gewandert und nicht mehr so auffällig wie vor 2 Tagen.

Der Abend beginnt zunächst recht technisch, denn ich bemühe mich für die QHY8Pro die richtigen Einstellungen von Gain und Offset zu finden. In Maxim DL soll ein BIAS-Bild einen durchschnittlichen Wert von knapp unter 1000 haben, damit die volle Dynamik von 16bit ausgenützt werden kann. Es ist über eine Stunde lang eine pitzlige Spielerei die richtige Kombination der beiden Werte zu finden. Es gibt dafür zwar ausreichend Anleitungen im Internet, nur lassen sich die jeweiligen Werte nicht 1:1 auf die eigene Camera übertragen.

Meine Testobjekte sind heute NGC 3372, Eta Carinae, NGC 4755 das Schmuckkästchen, M 8 und M 6. Allen Aufnahmen ist gemeinsam, daß die Sternabbildung im Zentrum in Ordnung ist aber konzentrisch nach außen verlaufen schlechter wird; die Sterne sind nicht mehr rund sondern oval bis leicht strichförmig. Laut Christoph sei das ein typisches Zeichen dafür, daß der Abstand zwischen Camera und Korrektor nicht stimmt. Der Backfokus des Korrektors soll 59.05mm sein. Der Backfokus der Camera ist 23mm, also beträgt die Differenz, 36.05mm. Tatsächlich hat der angeblich für die Camera eigens angefertigte Adapter aber einen zusätzlichen Backfokus von 0 (sic!!!). Also steht morgen ein Probieren mit Zwischenringen an. Mal sehen, was dabei herauskommt,

Ein skurriles Erlebnis machte die Nacht abwechslungsreich. Während einer Aufnahmeserie sitze ich in der Sternwarte, genieße die Stille und betrachte die Milchstraße. Plötzlich gibt es ein heftiges Getöse und die Verblechung der Sternwarte dröhnt, wie wenn etwas Schweres dagegen gestoßen wäre. Ich gehe zur Tür, öffne sie und leuchte mit Weißlicht nach draußen, genau in das einen Meter von der Tür entfernte schwarze Hinterteil eines Pferdes mit wedelndem Schwanz. Anscheinend hat es im Finsteren die äußere Stütze der Dachschiene nicht gesehen und ist dagegen gedonnert. Nicht nur am Himmel gibt es nächtens ein Equulus.

 

4.5.:

Der Tagesablauf wird schon fast zur Routine. Wieder spielt Christoph Dachdecker. Diesmal sind die Seitenteile der Rolldächer dran. Dann stellen wir im zweiten Beobachtungsraum von Christophs Sternwarte, in den beim nächsten Besuch die ASA DDM85 mit dem 16-Zoll Astrographen kommen soll, das LX 200 auf, denn neben den unzähligen Deep-Sky Objekten des Südhimmels wollen wir uns auch den Planeten Jupiter und vor allem Mars widmen.

 

 

Mit einer Reihe von Zwischenringen ausgestattet, versuche ich zu Beginn des Abends die Camera am Deltagraphen in den richtigen Abstand zu bringen. Das ist kein größeres Problem. Aber dann kommt das dicke Ei. Bei richtigem Backfokus ist ein Stern auch bei ganz hineingefahrenem Fokussierer noch ein Donut. Es fehlt einiges an Fokussierweg nach innen. Damit wird eine lang gehegte Vorahnung zur nahezu 100%igen Gewißheit. Der Vorbesitzer des Gerätes hat daran herumgepfuscht. Es war mir schon lange verdächtig, daß die Spinnen, die den Korrektor halten, sehr mäßig mattschwarz gestrichen waren und sich auch am Gehäuse des Korrektors Farbpatzer befinden. So erzeugt ein Philipp Keller keine Instrumente. Meine Vermutung ist, daß der Vorbesitzer, aus welchen Gründen auch immer, den Korrektor weiter hinaus gesetzt und aus diesem Grunde die Original Spinnenarme ersetzt hat. Also gibt es nur zwei Lösungsmöglichkeiten: entweder der Korrektor muß nach innen oder der Hauptspiegel. Unsere Entscheidung fällt auf die zweite Lösung, da sich das ohne viel Aufwand realisieren läßt. Einfach drei neue Löcher etwas weiter innen in den Tubus bohren und so die gesamte Hauptspiegelzelle weiter in den Tubus hinein versetzen.

Doch auch Positives ist zu vermelden, wenn auch der Anlauf etwas holprig war. Als wir das LX200 in Betrieb nehmen ist zunächst ein Kollimieren erforderlich, denn der Schatten des Fangspiegels ist deutlich aus der Mitte. Mit dem Bild der ASI am Monitor ist das eine Angelegenheit von einigen Minuten. Nur FireCapture verbindet sich zwar mit meiner ASI s/w-Camera, nicht aber mit dem Farbmodell. Gott sei Dank funktioniert das Internet und so kann ich den erforderlichen Treiber herunterladen und installieren. Zunächst richten wir das Teleskop auf Jupiter und stellen sofort fest, heute einen Tag mit sehr gutem Seeing erwischt zu haben. Aber leider ist das Video nur s/w trotz Farbcamera. Rechtzeitig bevor Mars kulminiert – hier um 02:00 in 84° (!!!) Höhe – komme ich darauf, daß man bei Farbcameras in FireCapture Debayering aktivieren muß. Das Seeing ist noch eine Spur besser geworden. Ich kann nur so viel sagen, In den 15 Jahren, in denen ich mich mit der Astronomie beschäftige, habe ich noch nie einen solchen Mars gesehen. Mit dem 8-24mm TeleVue Zoom kann ich bis am 8mm gehen, das entspricht einer 375fachen Vergrößerung. Deutlich zu unterscheiden sind die nördliche Polkappe, Acidalia Planitia, Syrtis Major, Elysium Planitia, Arabia Terra und Hellas Planitia. Ich gönne mir für diese Beobachtung viel Zeit, denn oft werden sich solche Gelegenheiten nicht ergeben. Dann kommt die ASI mit 2x Barlow an das Teleskop und ich freue mich schon auf die Ausarbeitung der Bilder. Hoffentlich werden sie ein ebensolches Erlebnis, wie der visuelle Eindruck.

 

 

5.5.:

Einmal so richtig in Übung gekommen, beginnt der Tag natürlich wieder mit Dachdecken. Horst und ich gehen Christoph bei der Montage der Stirnbleche zur Hand. Eine dringend erforderliche Arbeit, denn es ist der Durchzug einer Wetterfront mit möglicherweise Regen angesagt. Gegen 12:30 sind wir damit fertig und ziemlich ausgetrocknet.

Wir gönnen uns eine Mittagspause, vor allem aber viel Wasser. Anschließend steht die Operation am Deltagraphen auf dem Programm.

 

Bohren neuer Löcher für die Halterung der Spiegelzelle

Nochmals entnehmen wir die Spiegelzelle und bohren etwas weiter innen neue Löcher. Nach dem Einsetzen der Spiegelzelle ist eine neuerliche Kollimation erforderlich, die wir rasch erledigen. Ja, Übung macht halt den Meister. Abschließend justieren wir noch den Fokussiertrieb und dann kommt jener berühmte Moment, in dem der Affe ins Wasser springt. Zum Testen der Fokuslage hänge ich meine EOS-M an den Korrektor mit einem vorhandenen Distanzring von 8mm. Plus 44mm Auflagemaß des Canon-Bajonetts und 10mm für den T2-Anschluß liege ich so nur knapp über dem idealen Backfokus. „Gewonnen!“ ein am Bergkamm anvisierter Baum ist scharf und genügend Fokussierspielraum ist auch vorhanden. Das gleiche Ergebnis erzielen wir auch mit der QHY8Pro. Jetzt sollte endlich der Astrofotografie mit dem Deltagraphen nichts mehr im Wege stehen.

Während wir arbeiten, zieht immer dichter werdende Bewölkung auf. Einmal im Arbeitseifer gefangen, nehmen wir uns nun die Säule im zweiten Beobachtungsraum neben jenem der WAA vor. Bis zum Abendessen geht es sich aus, daß wir die Säulenverlängerung und die Adapterplatte montieren. Morgen müssen wir dann noch den Adapterring für Christophs CGE Montierung anpassen und die Montierung selbst aufsetzen. Dann hat auch mein inzwischen verwaistes C11 Edge HD wieder einen Untersatz und ich den Vorteil einer Montierungssteuerung, die ich seit 15 Jahren kenne.

 

Christoph beim Bohren der Löcher für die Adapterplatte

 

Trotz der aufgezogenen Bewölkung gibt es einen farbenprächtigen Sonnenuntergang, denn im Westen in Richtung Namib Wüste ist der Himmel noch recht wolkenfrei. Der Sonnenuntergang mit seinen orangen und roten Farbtönen steht in Kontrast zu den blauschwarzen Farben der Wolken. In der Nähe des Gamsberges steht eine dunkle Regenwolke mit mehreren Fallstreifen. Plötzlich, knapp nach Sonnenuntergang können wir eine eindrucksvolle Lichtsäule sehen.

 

Dazu ein Auszug aus https://de.wikipedia.org/wiki/Lichts%C3%A4ule_%28Lichteffekt%29:

Die Lichtsäule ist ein Lichteffekt in der Atmosphäre und gehört zu den Haloerscheinungen. Ausgehend von der Sonne erstreckt sich ein linear ausgedehnter schmaler Lichtstreifen senkrecht nach oben – seltener auch nach unten. Lichtsäulen sind meist dann zu beobachten, wenn die Sonne nah ober- oder unterhalb des Horizonts steht.

Lichtsäulen entstehen durch die Spiegelung des Sonnenlichts an hexagonalen Eisplättchen, die bei nahezu Windstille langsam absinken und sich dabei vorzugsweise horizontal in der Luft ausrichten. Sie sind deshalb nur bei entsprechend windarmen Wetterbedingungen zu beobachten. Im Gegensatz zu den verwandten Haloerscheinungen Unter- und Übersonne und der Tatsache, daß die sechseckigen Eisplättchen in ihrer horizontalen Ausrichtung wechselnde Kippwinkel aufweisen, wird ähnlich einem Glitzerpfad der Sonne auf einer leicht bewegten Wasserfläche eine Lichtsäule sichtbar. In sehr seltenen Fällen und bei sehr konstanter und geringer Luftbewegung sind auch leicht gebogene Lichtsäulen möglich.

 

 

 

Beobachtungen werden heute ausfallen, denn laut Wetterbericht ist erst gegen 2:00 Morgen mit einem Abzug der Bewölkung zu rechnen. Nicht so schlimm, denn in der letzten Woche hat sich doch etwas Schlafdefizit aufgebaut.

 

6.5.:

Dachdecken wird bei uns langsam zur Sucht. Aber heute steht das Ende bevor. Gegen Mittag sind nun endlich alle Stirnseiten der beiden Rolldächer verblecht.

 

Das C11 hat einen neuen Untersatz gefunden

 

Am Nachmittag schneiden wir mit Friedhelms Hilfe die passenden Gewinde in die Adapterplatte, um Christophs CGE auf der 2. Säule im Gebäude der WAA-Sternwarte aufsetzen zu können. Ich möchte während unseres restlichen Aufenthaltes auf Hakos mein C11 Edge HD darauf setzen, um Aufnahmen mit längerer Brennweite machen zu können.

Schon den ganzen Tag war es wolkig und gegen Abend nimmt die Bewölkung noch zu.

 

Dunkelwolken, aber nicht jene, die wir beobachten und (gerne) fotografieren

 

Am Nachmittag kamen zwei Französinnen (!) an, beide junge Rechtsanwältinnen, die eine in Paris und die andere auf der französischen Insel Reunion, die beim Abendessen an unserem Tisch Platz nehmen. Das Gespräch entwickelt sich rasch zu eine Einsteiger Crash-Kurs in Astronomie mit anschließender Besichtigung der Sternwarten. Leider, leider haben es uns die Wolken verwehrt Jupiter und Mars und so einige Highlights des Südhimmels im Teleskop herzuzeigen. Als Ersatzprogramm mußten unsere Laptops mit Astrofotos herhalten. Beide müssen morgen früh abreisen, um ihr Flugzeug am frühen Nachmittag zu erreichen. Somit konnten wir nur eine kurze Abwechslung im männerdominierten Alltag von Hakos erleben. Schade. Und übrigens: hübsch und charmant waren sie auch. Wie es sich eben für Französinnen gehört.


Aktualisiert am 24.05.2016

© BAA
 

Dr. Thomas Schroefl