Messier-(Halb)marathon 2016

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2811 Wiesmath, NÖ, Lat. 47°36´08´´ N        Long. 16°17´48´´ E Seehöhe 867m

Beobachter:     Dr. Thomas SCHRÖFL

Datum:             02.04.2016

Zeit:                 18:00 bis 01:00 MESZ

 

Instrument:     

Takahashi TOA 130, auf Vixen New Atlux

Okulare: 40mm Baader Erfle und Baader Großfeldbino mit 2x TeleVue 8-24mm

 

 

Bedingungen:  Durchsicht:  3         

                     Freis. Vis. Grenzgröße:  5.0

                     Aufhellung:  3         

                     Seeing:       3

                     Wind:   25 km/h W

                     Temperatur:   7°C     

 

 

 

Schon vor einem Monat hatte die BAA einen Messier-Marathon geplant, der aber dem schlechten Wetter zum Opfer fiel. Ersatztermin war der 2.4.2016. Schon während der Woche hatte ich mit Andreas Pfoser (WAA und Meteorologe bei Austro Control) Kontakt aufgenommen. Wie immer waren seine Prognosen präzise und diesmal auch erfreulich, denn er sagte uns gute Bedingungen für unser Vorhaben voraus.

War der Freitag noch trüb und wolkenverhangen, so blickte ich am Samstag beim Aufwachen an meinem Wochenendsitz in Edlach/Rax in tiefblauen Himmel. Überdies war es auch noch warm, also beste Voraussetzungen für den Abend. Als Beobachtungsplatz hatten wir uns für Manfred Schwarz´ Sternwarte in Wiesmath in der Buckligen Welt entschieden.

Bereits gegen 18:00 traf ich dort ein, denn ich wollte (!) in Ruhe aufbauen und mich vorbereiten. Gerade als die Montierung am Stativ war traf Franz Gruber ein und wollte mir beim Montieren des Takahashi zur Hand gehen. Wollte, denn in diesem Augenblick packte mich kalte Wut ob meiner Vergeßlichkeit. Alles hatte ich mit. Nur so ein unwichtiges Teil wie die Rohrschelle mit Losmandyschiene lag wohlbehalten in meiner Sternwarte in Edlach. Im Tiefflug fuhr ich zurück nach Edlach und dann wieder nach Wiesmath. Erst (J) um 19:30 war ich zurück, denn auf der S6 hinderte mich ein vor mir nur 160 km/h fahrendes Auto mit eingeschalteten Blaulicht am rascheren Vorwärtskommen. Wer den Schaden hat, hat auch den Spott und so ließ es sich unser lieber Franz nicht entgehen dieses Foto mit einschlägigem Text versehen zu versenden:

 

Begleittext in seinem Email:

P.S: Das erste Bild stellt eigentlich unseren lieben Thomas dar, wie er gerade die Rohrschellen in Prein a.d. Rax abholt ... :-). (Das nennt man wahren Enthusiasmus).

 

Trotz des Mißgeschicks war ich rechtzeitig startbereit und der Messier-Marathon konnte beginnen. Auch wenn es tagsüber schon recht frühlingshaft war durfte man sich nicht täuschen lassen. Noch sind die Nächte kalt, vor allem bei Wind wie heute, der manchmal recht heftige Böen hatte. Flanellhemd, Vliesjacke und Daunenanorak und –hose beugten der Kälte ebenso vor wie GoreTex-Stiefel und Skihaube.

Ich hatte mir im Internet eine vom Antelope Valley Astronomy Club zusammengestellte Liste der Beobachtungsreihenfolge besorgt. Dieser Verein residiert in Lancaster, CA etwas nördlich von Los Angeles auf einer geographischen Breite von 34.5 Grad, also für einen Messier-Marathon deutlich günstiger als unsere 47 Grad. Das sollte ich auch gleich zu Beginn deutlich vorgeführt bekommen.

Die ersten sechs Objekte sind M 77, M 74, M 33, M 31, M 32 und M 110, allesamt Galaxien, liegen tief im Westen im noch aufgehellten Horizont. Nicht einmal der helle Kern von M31 war auch nur ansatzweise zu sehen. 10 Grad südlicher und eine Sichtung wäre höchstwahrscheinlich kein Problem. Möglicherweise hätte es auch geklappt, wenn wir schon vor einem Monat den Messier-Marathon hätten veranstalten können. Ein früherer Sonnenuntergang und 15 Grad mehr an Höhe hätte schon etwas gebracht. Nun denn, vielleicht klappt es 2017.

Dann ging es flott weiter in der Liste, vor allem mit einer Reihe von offenen Sternhaufen. So gegen 22:00 reduzierte sich dann das Teilnehmerfeld auf 1, nämlich mich. Einer nach dem anderen baute ab und brach auf in wärmere Gefilde. Grund dafür war aber nicht bloße Bequemlichkeit sondern vor allem die mäßige Transparenz, denn eine Südströmung beglückte uns mit feinem Staub aus der Sahara. Die mäßige Transparenz sollte sich in den kommenden Stunden noch auswirken.

Als ich dann alleine zurückblieb kulminierte der Löwe und damit standen die Galaxien am Programm. Da wurde es nun grenzwertig. Neben den ungünstigen Bedingungen machte sich auch meine altersbedingt reduzierte Nachtsichtfähigkeit leider deutlich bemerkbar. Es war ein längeres Spiel mit den Okularen (Erfle 40mm = 25fach, TeleVue 24mm = 42fach und TeleVue 24mm im Bino mit Glaswegkorrektor 1,7x = 71fach) bis es mir gelang die Leo-Galaxien eindeutig wahrzunehmen.

Etwas leichter ging es dann mit M 81 u. 82 in UMa, doch der Eulennebel M 97 und die Galaxien M 108 u. 109 weigerten sich hartnäckig von mir gesehen zu werden (im Vergleich zu M 81 u. 82 bis zu 3mag schwächer).

Dann wartete ich gut eine Stunde bis Virgo sich der Kulmination näherte, um mir die Galaxien in Virgo und Coma Berenices vorzunehmen. Leider war das Warten nicht von Erfolg gekrönt, denn die Transparenz hatte sich weiter verschlechtert und Galaxien waren – jedenfalls mit 130mm Öffnung – außerhalb jeder Reichweite.

Zum Schluß stellte sich dann doch noch ein kleiner Erfolg ein mit den Kugelsternhaufen M 5, 13 u. 92 und schließlich dem Ringnebel M 57, den ich gerade knapp über dem nordöstlichen Horizont erwischen konnte.

Alle weiteren Objekte eines Messier-Marathons liegen in den frühen Morgenstunden knapp vor Dämmerung am südöstlichen Horizont, maximal 20 Grad hoch. Gerade in diesem Bereich war nicht nur eine deutliche Aufhellung am Horizont zu sehen, sondern auch nahezu null Transparenz. Bloß auf die vage Hoffnung hin, daß es im Laufe der Nacht vielleicht doch noch besser werden könnte, wollte ich mir nicht noch weitere 4 Stunden um die Ohren schlagen. Ich beschloß daher abzubauen und nach Hause zu fahren. So kam ich wenigstens um 3 Uhr ins Bett.

 

Nr.

M

Con.

Typ

Anmerkung

1

M77

Cet

Gx

Ø zu tief im aufgehellten Westhorizont

2

M 74

Psc

Gx

Ø w.o.

3

M 33

Tri

Gx

Ø w.o.

4

M 31

And

Gx

Ø w.o.

5

M 32

And

Gx

Ø w.o.

6

M110

And

Gx

Ø w.o.

7

M 52

Cas

OC

8

M 103

Cas

OC

9

M 76

Per

PN

✔ kl. Hantelnebel, schwach, bei indirektem Sehen erkennbar

10

M 34

Per

OC

11

M 45

Tau

OC

12

M 79

Lep

GC

Ø zu tief im aufgehellten Südwesthorizont

13

M 42

Ori

Neb

14

M 43

Ori

Neb

15

M 78

Ori

Neb

16

M 1

Tau

SNR

17

M 35

Gem

OC

18

M 37

Aur

OC

19

M 36

Aur

OC

20

M 38

Aur

OC

21

M 41

CMa

OC

Ø zu tief im aufgehellten Südhorizont, sehr schlechte Transparenz

22

M 93

Pup

OC

✔ grenzwertig aufgehellter Südhorizont, sehr schlechte Transparenz

23

M 47

Pup

OC

24

M 46

Pup

OC

25

M 50

Mon

OC

26

M 48

Hya

OC

27

M 44

Cnc

OC

28

 M 67

Cnc

OC

29

M 95

Leo

Gx

✔ grenzwertig, schlechte Transparenz, Saharastaub?

30

M 96

Leo

Gx

✔ grenzwertig, schlechte Transparenz, Saharastaub?

31

M 105

Leo

Gx

✔ grenzwertig, schlechte Transparenz, Saharastaub?

32

M 65

Leo

Gx

33

M 66

Leo

Gx

34

M 81

UMa

Gx

35

M 82

UMa

Gx

36

M 97

UMa

PN

Ø mag 11.2, Bedingungen nicht ausreichend

37

M 108

UMa

Gx

✔ zu schwach

38

M 109

UMa

Gx

✔ zu schwach

39

M 40

UMa

 

✔  Doppelstern Winnecke 4

40

M 106

CVn

Gx

41

M 94

CVn

Gx

Per42

M 63

CVn

Gx

43

M 51

CVn

Gx

44

M 101

UMa

Gx

Ø

45

M 102

UMa

Gx

NGC 5866 (Doppeleintrag mit M 101?)

46

M 53

Com

GC

47

M 64

Com

Gx

48

M 3

CVn

GC

49

M 98

Com

Gx

Ø

50

M 85

Com

Gx

Ø

51

M 99

Com

Gx

Ø

52

M 100

Com

Gx

Ø

53

M 84

Vir

GC

Ø

54

M 86

Vir

Gx

Ø

55

M 87

Vir

Gx

Ø

56

M 89

Vir

Gx

Ø

57

M 90

Vir

Gx

Ø

58

M 88

Com

Gx

Ø

59

M 91

Com

Gx

Ø

60

M 58

Vir

Gx

Ø

61

M 59

Vir

Gx

Ø

62

M 60

Vir

Gx

Ø

63

M 49

Vir

Gx

Ø

64

M 61

Vir

Gx

Ø

65

M 104

Vir

Gx

Ø

66

M 68

Hya

GC

Ø

67

M 83

Hya

Gx

Ø

68

M 5

Ser

GC

69

 M 13

Her

GC

70

M 92

Her

GC

71

M 57

Lyr

PN

72

M 56

Lyr

GC

Ø zu tief, im Horizontdunst

 

Für die Statistik:

72 von 109 Objekten aufgesucht  = 66%

davon 41 gesehen = 57%

41 von 109 = 37.61%

 

Umgerechnet auf die Marathondistanz von 42.195 bin ich sohin 15.870 m gelaufen, also ist die Bezeichnung „Messier-(Halb)marathon etwas übertrieben, aber mehr als die Hälfte der aufgesuchten Objekte wurden auch gesehen, also kommt der Bezeichnung doch etwas an Berechtigung zu.

Interessant wäre es ein Monat früher und einige Grade südlicher bei guten Bedingungen einen Messier-Marathon zu probieren. Da sollte man jedenfalls auf 80% und darüber kommen.

Selbst blieb mir keine Zeit zum Fotografieren und so steuern Franz Gruber, Gerald Wechselberger und Manfred Schwarz die Fotos bei.

Manfred Schwarz hat die Eindrücke in einem Video festgehalten, das auf Youtube unter dem nachstehenden link zu finden ist:

https://youtu.be/U1GSSSmQVTA

 

Eintreffen bei Sonnenuntergang

 

Aufbau unter dem gestrengen Blick des Chefs

 

Was mag wohl im Zenit sein?

 

Große Augen oder „ gö da schaust“?

 

Dreh´n sich die Zahnradln auch?

 

 

Jaaa!!!

 

Manfred Schwarz: BAA-Haus- und Hoffotograf


Aktualisiert am 05.04.2016

© BAA
 

Dr. Thomas Schroefl